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3 evolutionäre Fakten – So tief ist Schlaf in uns verwurzelt

Frau eingekuschelt in Bett

„Schlafen kann man, wenn man tot ist.“ Dieses Sprichwort wird vor allem in arbeitsintensiven Kontexten gerne benutzt, ist allerdings sehr gefährlich. Was so leicht daher gesagt ist – und oft auch gar nicht genau so gemeint – impliziert allerdings eine Haltung gegenüber Schlaf, die negative Auswirkungen von zu wenig oder ungesundem Schlaf auf die leichte Schulter nimmt.

Tatsache ist das Gegenteil: Je weniger Schlaf, desto kürzer das Leben. Matthew Walker, passionierter Schlafforscher und Autor des Buches „Why we sleep“, betont dies immer wieder – in seinen Reden, seinem Buch und seinen Forschungen. Und er hat Recht. Lange Zeit hat man sich gefragt, wozu der menschliche Körper es nötig hat, in einen Zustand zu verfallen, der scheinbar maximal ineffektiv ist. Mutter Natur ist eine intelligente Ingenieurin, warum also lässt sie uns so viel Zeit verschwenden?

Mittlerweile wissen wir: Körper, Hirn und Gene arbeiten nicht richtig, wenn wir keinen Schlaf bekommen – oder wenn der Schlaf nicht ausreichend (gut) ist. Schlaf ist kein Luxus, Schlaf ist nicht optional. Schlaf ist überlebenswichtig und essentiell für die Gesundheit. Dennoch ist es im Moment eines der größten Gesundheitsprobleme der Menschheit:

Die gesellschaftliche Stellung von Schlaf lässt uns denken, wir seien faul, wenn wir erst später richtig wach werden als andere. Es wird als Zeichen der Stärke, Willenskraft und Disziplin gewertet, behauptet jemand, vier Stunden Schlaf reichten aus, um produktiv zu sein und zu funktionieren. Sogar schon im Neugeborenenalter ist Schlaf ein Thema, das Kind und Eltern unter Druck setzt.

Zum Tag des Schlafes wollen wir als BED&ME ein wenig Aufklärung leisten – auf die unterhaltsame und doch informative Art. Denn wie, wenn nicht so, unterstützen wir den allmählich ansteigenden Trend, das Thema Schlaf mit mehr Achtsamkeit zu betrachten und behandeln, besser? Es folgen deshalb nun drei evolutionäre Fakten über Schlaf, die Du so sicher noch nicht gewusst hast.

1. Dein Schlaftyp liegt in den Genen

Dass Du nicht selbst dafür verantwortlich bist, ob Du morgens oder am später Vormittag eher fit bist, haben wir Dir bereits in unserem Beitrag über die Veranlagung von Schlaftypen genauer erläutert. Ob Eule oder Lärche, in der Regel hast Du Deinen Chronotypen nicht, weil Du entweder diszipliniert oder faul bist, sondern einfach weil Du so geboren wurdest. Es liegt quasi in Deiner Natur, um 23:30 Uhr müde und erst um 07:00 richtig ansprechbar zu sein. Genauso sieht es aus, wenn Du irgendwie erst gegen 02:00 Uhr so richtig gut einschlafen kannst und dafür früh morgens super träge bist.

Wie so vieles in der Natur, ist auch diese Entwicklung nicht willkürlich. Die meisten unserer Instinkte und zuerst unerklärlichen Gewohnheiten kann man auf die Zeit zurückverfolgen, als wir noch Jäger und Sammler waren und in Höhlen, später in Hütten, gelebt haben. Interessanterweise pflegen einige naturverbundene Stämme fernab von unserer gewohnten Zivilisation immer noch eine Gewohnheit, die sich eher unbeabsichtigt etabliert hat:

Zum Schutze der gesamten Gruppe ist immer mindestens eine Person nachts wach oder in einem so leichten Schlaf, dass sie auch wirklich alles mitbekommt. Damit nicht eine Person völlig übermüdet die Nacht vollständig durchmachen muss, entwickelten sich mit der Zeit unterschiedliche, aber aufeinander abgestimmte Schlafrhythmen. Auf diese Weise war stets jemand wach, um die andere vor potentiellen Gefahren zu warnen.

Wie vieles andere liegt dieses Verhalten tief in unserer DNA verwurzelt und wird sich wahrscheinlich auch nicht so schnell von dort entfernen. Schön zu wissen ist es allemal, dass unser Verhalten einen gemeinschaftlichen Sinn hat – und wichtig für Spätaufsteher in unserer Gesellschaft ist es ebenso. Immerhin darf dieses Verhalten nicht mehr als negativ gesehen und behandelt werden. Mit einer logischen Erklärung dafür geht das gleich viel leichter.

 

2. Babyschlaf – Kein so großes Drama wie man behauptet

Wir haben es doch sicher alle schon mitbekommen oder selber hautnah erlebt: Babys schlafen im Regelfall einfach nicht durch – und das wird bei Gesprächen mit Familie, Bekannten und allen, die sich sonst noch so einmischen wollen, gerne direkt mit wenig willkommenen Ratschlägen zum Thema des Abends.

Unangenehm, eine solche Situation. Denn aus irgendeinem Grund gehen alle davon aus, dass das Durchschlafen des Babys ein Muss und eine Errungenschaft sowie ein Zeichen der guten Erziehung der Eltern ist. Dabei steckt hinter dem nächtlichen Schrei nach Aufmerksamkeit und Nahrung etwas ganz Natürliches und Wichtiges.

Ist Dir schon einmal aufgefallen, wie wenig entwickelt Menschenbabys im Vergleich zu beispielsweise Fohlen, Kälbern und Zicklein sind? Letztere kommen viel schneller auf die Beine, fangen früher an sich selbst zu ernähren und sind generell einfach aktiver. Dass Babies so wenig entwickelt zur Welt kommen, hat den Grund, dass ihr Kopf in einem späteren Stadium zu groß für den weiblichen Geburtskanal wäre. Diese „frühe Geburt“ bringt allerdings einen Aspekt mit sich, der vor dem Hintergrund des Schlafens selten präsent ist.

Damit das Hirn eines Menschenbabys sich möglichst schnell weiterentwickeln kann, braucht es extrem (!) viel Energie, und die erlangt es durch Nahrung – am liebsten rund um die Uhr. Der wichtige, aber doch recht simple Grund für ständiges Aufwachen in der Nacht hängt also evolutionär gesehen einfach damit zusammen, dass Babies ständig Nahrung brauchen. Selbstverständlich ist das nicht der Grund für jedes Schreien nach Mama und Papa, auch das Bedürfnis nach Nähe, Schutz und Wohlsein spielen hier eine Rolle. Jedoch ist damit widerlegt, dass das Nicht-Durchschlafen ein Zeichen von Unfähigkeit der Eltern ist. Ganz und gar nicht. Auch in diesem Bereich würde Aufklärung die eine oder andere gesellschaftliche Situation vereinfachen.

 

3. Wir lauern auf Gefahr

Sicherlich hast Du das auch in der einen oder anderen Nacht bereits erlebt: Du schläfst das erste Mal an einem neuen Ort oder das erste Mal neben einer neuen Person… und zwar schlechter als sonst. Man wälzt sich von links nach rechts, wacht nachts wegen kaum hörbaren Geräuschen auf und bildet sich manchmal sogar merkwürdige Gerüche ein.

Vielleicht hast Du Dir über dieses Phänomen bereits schon einmal Gedanken gemacht. Die Erklärung dahinter ist jedenfalls plausibel. Der Grund für die unruhige Nacht liegt in dem Neuen, mit dem Du konfrontiert wirst, während Du eigentlich entspannen und sonst nichts weiter tun solltest.

Aus Zeiten, in denen wir schnell auf Gefahren in jeglicher Form reagieren mussten, ist ein Überbleibsel in unseren Schlafinstinkten hängen geblieben. Alles, an das wir uns gewöhnt haben und dessen Eigenarten wir mittlerweile kennen, bereitet unserem inneren Beutetier keine Angst mehr. Verändert sich jedoch etwas, kann sich unser Körper nicht vollends entspannen. Unsere zweite Hirnhälfte ist aktiver, sie arbeitet quasi auf Hochtouren, um Geräusche, Gerüche, Bewegungen und Licht direkt zu bemerken. Es könnte – aus evolutionärer Logik – ja eine Gefahr hinter der nächsten Ecke lauern. 

Somit ist es kein Wunder, dass wir uns erst einmal an eine neue Position des Bettes im Schlafzimmer, ein neues Schlafzimmer nach einem Umzug, das Bett des neuen Partners oder einer guten Freundin oder einen neuen Menschen selbst gewöhnen müssen. Gewohnheit ist Geborgenheit und Geborgenheit ist Sicherheit. Deshalb werden die Nächte, in denen man schneller aufwacht als sonst oder eventuell sogar Einschlafprobleme hat, mit der Zeit immer weniger. Wie schnell das genau geht, ist bei jedem von uns unterschiedlich.

Wie Du sehen kannst, ist Schlaf also nicht einfach eine sinnlose Zeitverschwendung, hinter der nicht viel steckt. Es steckt ganz im Gegenteil eine ganze Menge dahinter, und wir haben noch lange nicht alles erforscht. Bleib‘ dran und schau ab und zu bei uns vorbei, wenn Du gerne mehr erfahren möchtest über das Wunder Schlaf.

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Pia Laukart

Pia Laukart

Junior Content Manager

Hallo alle miteinander, mein Name ist Pia. Ich bin das Gesicht hinter diesem Magazinbeitrag – und hinter vielen anderen. Begeistern kann man mich mit ganz simplen Dingen: Mit einer ordentlichen Mütze Mittagsschlaf, ein paar Sonnenstrahlen auf der Nasenspitze und einer Kuscheleinheit von meiner Fellnase Paul – dem besten Kater der Welt.

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