Gesunder Schlaf, Schlafstörungen
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Wenn die Nacht zum Tag wird – Darum schlafwandelt man

schwarzweiß Bild, Mann in Küche

Man nannte es „Mondsucht“. Wurde es dunkel am Himmel und still in der Nacht, steuerten einige scheinbar Schlaflose auf den einzig natürlichen Satelliten der Erde zu. Vor allem bei Vollmond trat dieses Verhalten vermehrt auf. Mittlerweile wurde diese Annahme widerlegt – Helligkeit ist generell einfach anziehend für orientierungslose Personen. Doch was steckt wirklich hinter dem Phänomen des Schlafwandelns und was sind die Ursachen?

Warum schlafwandelt man?

Zwischen Schlafwandeln (Somnambulismus) und genereller Angst vor der Nacht (Pavor nocturnus) wurde eine starke Verbindung festgestellt. So kommt es dazu, dass bei etwa 30 bis 50 Prozent der Nachtangstanfällen im Anschluss ein Schlafwandeln erfolgt. Diese Anfälle äußern sich meist insofern, als dass sie den Betroffenen nachts aus dem Schlaf schrecken lassen. Danach sind diese allerdings weder richtig wach, noch weck- oder ansprechbar.

Allgemein geht man heutzutage davon aus, dass die Ursache für Schlafwandeln ein Weckreiz ist, der nicht zu einem vollständigen Erwachen führt. Das Hirn schaltet hier in einen Modus zwischen Wach- und Schlafzustand. Auslöser hierfür können schon kleine Reize wie etwa eine volle Blase oder ein vorbeifahrendes Auto sein.

Wer schlafwandelt eigentlich?

Schaut man sich die Statistiken an, fällt auf, dass besonders Kinder im Alter von vier bis sieben Jahren mehr oder weniger starke Formen des Schlafwandelns ausüben. Bis zu 20 Prozent aller Kinder und Jugendlichen sind betroffen. Dies liegt einer noch nicht vollständigen Hirnreifung zugrunde. Sobald sie ins Erwachsenenalter eintreten, verschwinden die nächtlichen Ausflüge aber bei einem Großteil.

Schlafwandeln ist vererbbar

Nur ein bis zwei Prozent der Erwachsenen befinden sich noch regelmäßig im Zwischenmodus zwischen Schlafen und Wachsein. Sie leiden aber häufig wesentlich extremer darunter als Kinder oder Jugendliche. Ab einem gewissen Alter schämen sich die meisten für diese „Kontrollverluste“. Dabei kann man dieses Phänomen gar nicht auf bestimmtes Fehlverhalten oder ähnliches zurückführen. Tatsächlich liegt die Wurzel dessen oft in den Genen. Heutzutage weiß man vom Veranlagungs-Stress-Model: Es besagt, dass Schlafwandeln oft familiär auftritt und eher weniger in Einzelfällen. Demnach: Kein Grund zur Sorge! Solltest Du nachts eher unfreiwillig auf Erkundungstour gehen, hast Du selbst nicht daran  „Schuld“, falls man das überhaupt so bezeichnen möchte.

Was passiert beim Schlafwandeln?

Eine Fehlannahme sollte zu Beginn aus der Welt geschafft werden: Schlafwandeln bedeutet nicht zwingend, dass der Betroffene aus dem Bett aufsteht und wirklich durch das Haus geistert oder es gar verlässt. Viele Aktivitäten werden auch zwischen Kopfkissen und Bettdecke ausgeführt und nicht unbedingt als Schlafwandeln erkannt. Solange sie niemandem schaden, ist dies auch in keiner Weise schlimm.

Bei den „typischen“ Schlafwandlern werden nachts im zuvor benannten Dämmerzustand automatische Bewegungsabläufe abgespielt. Personen, die unter Somnambulismus leiden, gehen deshalb also meist sinnlos erscheinenden Tätigkeiten nach. Sie putzen sich plötzlich die Zähne, ziehen sich an, fangen an umzuräumen oder öffnen Schubladen und Türen. Dabei fehlt ihnen komplett das Bewusstsein. Schlafwandler nehmen nicht uneingeschränkt alles wahr, was sie im Wachzustand wahrnehmen würden. Beispielsweise Glas, Raumtiefen und auch Gesichter bilden eine große Schwierigkeit für Schlafwandelnde. Deshalb sollte in besonders gravierenden Fällen auch am besten vorgesorgt werden, damit sich der oder die Betroffene nicht selbst verletzt.

Ist Schlafwandeln gefährlich?

Wie vorsichtig man im Umgang mit einem Schlafwandelnden sein muss, hängt ganz von dessen Art des Schlafwandelns ab. Bleibt der Betroffene liegen und brabbelt lediglich vor sich hin, gibt es keinen Grund zur Sorge. Schwierig wird es dann, wenn im Traum um sich geschlagen und getreten wird, die Person das Bett oder gar das Zimmer verlässt. Durch die begrenzte Wahrnehmung kann sich leicht gestoßen werden. Auch das Stolpern oder komplette Hinfallen ist keine Seltenheit unter besonders aktiven Schlafwandlern.

Auch tagsüber zeigen sich mehr oder minder gefährliche Nachwirkungen der nächtlichen Ausflüge. Mit fehlender Erholung in der Nacht wird man schnell von Tagesmüdigkeit eingeholt. An dieser Stelle liegen sowohl kleine als auch große Unfälle nicht mehr fern. Vor allem tritt dies bei medikamentöser Behandlung von Schlafwandlern auf. Hier werden häufig Präparate verwendet, die die Tiefschlafphase verkürzen, in der das Schlafwandeln auftritt. Darunter leidet allerdings die Erholung.

Was kann ich gegen Schlafwandeln tun?

Für viele Formen des Schlafwandelns reicht schon eine weniger aufwändige Abhilfe, die man alleine zuhause vornehmen kann. Darunter zählen zum Beispiel:

Räume sichern

Schließe Fenster und Türen (ja, auch die Haustür) und verstecke nachts die Schlüssel. Es macht Sinn, den Ort des Versteckes hin und wieder zu variieren. Auch sollten sperrige Gegenstände aus dem Weg geräumt und scharfe Kanten gepolstert oder anderweitig sicherer gemacht werden.

Warntöne installieren

Ob es eine Glocke an der Schlafzimmertür ist oder gar ein richtiger Bewegungsmelder mit Lautsprecher – ein Warnton, sobald der Schlafwandler nachts quasi bewusstlos das Schlafzimmer verlässt, kann bereits viele Gefahren aus der Welt schaffen. Wird der Wandlende richtig geweckt, findet er oder sie im Regelfall alleine wieder ins Bett und in den Schlaf.

Informieren

Fällt Dir auf, dass Dein Partner, Mitbewohner, Kind oder ein Elternteil nachts wirr durch die Gegend läuft oder plötzlich aufrecht im Bett sitzt, solltest Du diese Person definitiv darauf aufmerksam machen. Sich über das Thema zu informieren und sich dessen bewusst zu werden, ist der erste Schritt in Richtung Kontrolle des Problems. Es hilft außerdem, Ängste zu nehmen.

Schlafhygiene verbessern

Viele dieser Dinge scheinen simpel. Doch manchmal sind Lösungen oder zumindest Linderungen genau das! Achte darauf, Deinen Stress zu reduzieren. Gestresst durch den Tag und am Abend ins Bett zu gehen, begünstigt das Schlafwandeln nur – sicher keine Überraschung. Hier kann autogenes Training unterstützend wirken. Es ermöglich das Trainieren des Aufwachens in einer Schlafwandelphase. Allerdings sollte dies nur unter professioneller Anleitung geübt werden.

Wichtig sind außerdem regelmäßige Schlafenszeiten. Routine ist das A und O für einen gesunden und entspannten Schlaf… und wie wir gelernt haben, wirkt Entspannung Schlafwandeln entgegen. Schaffe Dir ein beruhigendes Zubettgeh-Ritual. Zum Beispiel mit einem gemütlichen Bademantel oder Kimono?

Auch wichtig: Verzichte auf Alkohol und Drogen. Die tun Deinem Körper in vielerlei Hinsicht nicht gut. Was dahingegen gut tut sind Mittagsschläfchen! Sofern möglich, mach um die Mittagsstunden einen kleinen Powernap. Du wirst merken, dass es Dir damit gleich viel besser geht.

Wo kann ich mir als Schlafwandelnder Hilfe holen?

Befindet sich die betroffene Person noch im Kindesalter, reicht meist ein Besuch beim Kinderarzt des Vertrauens. Auch Kinderpsychiater können die erste Anlaufstelle sein, sollte der Verdacht auf Schlafwandeln vorliegen.

Ansonsten bieten sich Neurologen, Psychiater oder auch Ambulanzen für Schlafmedizin super an, um dort über das Problem des Schlafwandelns zu sprechen und eine individuelle Lösung für das Problem zu finden.

Eine richtige medikamentöse Behandlung ist allerdings noch nicht möglich. Zum jetzigen Zeitpunkt wurde kein verlässliches Mittel gegen die Symptome oder das Schlafwandeln generell gefunden. Lediglich die Psychotherapie kann helfen, besser mit dem Phänomen und eventuellen Leidensdruck umgehen zu können.

Unterm Strich ist Schlafwandeln in seiner ausgeprägten Form ein relativ seltenes Phänomen. Wir hoffen trotzdem, mit diesem Beitrag ein wenig Verständnis für das Phänomen hinter den Schlafwandlern vermitteln und auch die Angst davor nehmen zu können. Wer schlafwandelt, hat keinen an der Marmel, sondern einfach nur eine Schlafstörung. Und Schlafstörungen sind gar nicht selten. Aber dafür sind wir ja da: Um aufzuklären und Hilfestellungen zu geben, damit am Ende alle ein bisschen besser schlummern. Schlaft gut!

 

Dein BED&ME-Team

Hallo alle miteinander, mein Name ist Pia. Ich bin Autorin dieses Schlafmagazins und unterstütze BED&ME neben meinem Medienwirtschaftsstudium außerdem als Social Media Managerin. Begeistern kann man mich mit ganz simplen Dingen: Mit einer ordentlichen Mütze Mittagsschlaf, ein paar Sonnenstrahlen auf der Nasenspitze und einer Kuscheleinheit von meiner Fellnase Paul – dem besten Kater der Welt, der mir beim Schreiben dieser Artikel immer ganz gespannt Gesellschaft leistet.

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